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Sonntag, 14. März 2021

Kuschen oder Zivilcourage

Anpassung oder Widerstand? Das Leben unter … nun ja: antipluralistischen Vorzeichen ist anstrengend. Vermeiden wir die Selbstzerknirschung und trösten wir uns mit Grock:

Der „Nazi“
Ich sah Grock im Zirkus Busch in Hamburg, ich glaube 1934 oder 1935, jedenfalls längere Zeit nach Ausbruch des Großen Reiches, als die weltoffenen Hamburger noch immer sehr im Zweifel waren, ob sie jemals den Hitlergruß perfekt lernen würden. Im übervollen Zirkus Busch bei der Reeperbahn war Grock einfach „goldig“, das Publikum wieherte vor Behagen: Grock inszenierte eine Szene als Verfolgter. Er ließ sich durch seinen Partner auf der riesigen Bühne arg bedrängen. Er mimte köstlich den Rückzug des angegriffenen Schwächeren. Er floh in die äußerste Ecke der Bühnenrampe; in der nächsten Sekunde erwartete man, er werde sich in den Zuschauerraum flüchten. Da hat er im Momente der äußersten Gefahr einen genialen Einfall: Er erhebt blitzschnell (und doch zögernd) den Arm zum „deutschen Gruße“ und sagt leicht weinerlich aber pfiffig: „Heil Hitler!“ Der Verfolger war vernichtet und die Hamburger wieherten vor Glück, dass es krachte. Grocks genialer Witz war sehr – gewagt, aber die Hamburger dankten es dem lieben Grock mit tiefstem Herzensverständnis.

K.B.

Dies ist ein Leserbrief von Karl Ballmer (vom 18. Februar 1945) an „Die Tat“, eine sozial-liberale Schweizer Zeitung (1935 bis 1978). Vermutlich war der Clown Grock in vorhergehenden Ausgaben mit Vorwürfen konfrontiert worden, sich zu nazi-freundlich verhalten zu haben; siehe dazu Wikipedia.


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