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Samstag, 30. Januar 2021

Nicht einmal entrüstet!

Rudolf Steiner über die öffentliche Schläfrigkeit

An das Schlafen im öffentlichen Leben hat sich die neuere Kulturmenschheit gewöhnt. Und heute ist dieses Schlafen so stark, dass man manchmal, wenn man eben nicht im geistigen Leben drinnenstehen und den Gang der geistigen Angelegenheiten hinter diesem Physischen sehen würde, aus dem äußeren Gang, dem sich die Menschen hingeben in der Verfolgung ihrer Angelegenheiten, recht sehr in Zweifel versetzt werden könnte. Dieser äußere Gang, dem sich die Menschen hingeben in der Verfolgung ihrer Ereignisse, er spricht es ja förmlich aus, dass die Menschen es scheuen, an der Ergreifung des Wahrhaftigen in den Erscheinungen irgendwie noch teilzunehmen. Man ist so froh, wenn man nicht hinzuschauen braucht auf die Vorgänge, die geschehen! Man sieht es heute, wie die Menschen sich sagen lassen: Da und dort geschieht das und das! – Sie stehen da auf ihren Beinen, ohne sich irgendwie etwas davon merken zu lassen, dass sie von Dingen gehört haben, die eine tiefe Bedeutung haben für den Weitergang der Ereignisse. Die Menschen hören heute von den bedeutsamsten Dingen, die in die Zerstörung, in den Niedergang hineinführen müssen, und sie können nicht einmal entrüstet sein darüber. Jetzt wiederum gehen Dinge durch die Welt, Absichten gehen durch deutsche Gegenden, über die die Menschen entsetzt sein sollten – und sie sind es nicht! Wer aber über diese Dinge nicht entsetzt sein kann, der hat auch nicht die Kraft, den Sinn für die Wahrheit zu entwickeln.

Rudolf Steiner, Stuttgart 9. März 1920 (GA 197)


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