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Mittwoch, 10. März 2021

Medien, Medienversagen, Informationssuche

Zwei Fragen, anlässlich „Corona“ und überhaupt: I. Wo kann man sich informieren? II. „Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein?“

I. Wo kann man sich informieren?

„Wir leben in einem Zeitalter der Massenverblödung, besonders der medialen Massenverblödung.“
, diagnostizierte Peter Scholl-Latour 2014 an seinem 90. Geburtstag, recht kurz vor seinem Tod. Thomas Külken spricht heute von Corona-Hypnose, von einem Krieg gegen das individuelle kritische Bewusstsein.

Das gegenwärtige (2020) Versagen der Medien (der deutschen öffentlich-rechtlichen, aber auch der meisten anderen großen; sie müssen ja hier nicht gelistet werden) ist schauderhaft: Wer seine Sinne beieinander hat und nebenbei auch vor Corona schon nur ein wenig gelernt hatte, zwischen verschiedenen Informationsquellen hin- und herzuswitchen, kann nur staunen über die ausgeprägte abgeschlossene Mainstream-Blase (siehe diese Benennung von einem Insider), in der jetzt plötzlich – oder war das schon länger so? – nicht nur ein paar Spinner sitzen, sondern … weite Teile der Bevölkerung? Noch kurz vor der Corona-Banndemie bezeichnete Paul Schreyer die westlichen Nachrichtenagenturen – oder besser: die ausschließliche Fokussierung der westlichen Medien auf diese – als die größte Filterblase aller Zeiten.

Je nach Geschmack ist die gnadenlose stille passive Selbstzenzur noch nicht das schlimmste – sondern dass diese Medien nach Kräften aktiv die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben durch Schwarzweißmalerei, Diffamierung, In-die-Ecke-Stellen von Kritikern. Mit dieser Zerstörung von kulturellen Werten wirken sie tief in unsere Gesellschaft, in unser menschliches Zusammenleben ein.

Dem ist „unsererseits“ keine Erwiderung dieses Hasses entgegenzustellen, sondern was? Diese Frage will ich hier nicht verfolgen.

Wenn in den hier verlinkten Seiten ebenfalls irgendwo Hass und Destruktion zu finden sein sollte – es gilt unsere Vorverständigung!

II. „Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein?“

Die obige Liste muss – über das bereits Gesagte hinaus – natürlich mit einer warnenden Gebrauchsanweisung versehen werden. „Selberdenken“, was heißt das denn? Wer meint, durch bedachte, vielseitige Auswahl aus einem Spektrum angebotener Medien und durch vernünftiges Bedenken der konsumierten Inhalte ein halbwegs „objektives Bild“ einer „Realität“ zu gewinnen, bleibt in bürgerlicher Selbstamputation befangen; er beobachtet sich einfach schlecht. Der Zweifel, die Irrealität scheint mir doch allgegenwärtig zu sein und ist nicht durch münchhausenhaften „gesunden Menschenverstand“ wegzuzaubern.

Das Spiegelkabinett der Medien, bei dem wir stets mit der Niedertracht oder Inkompetenz journalistischer Mitmenschen zu rechnen haben, ist dabei nur ein Sonderfall unserer allgemeinen existentiellen Situation: befangen in der Sprachgebundenheit und sonstigen Verengungen unserer „Grütze“ betuppen wir uns von morgens bis abends selbst, daran wenigstens kann kein Zweifel bestehen (aber diese Gewissheit nützt uns nicht viel).

Dieses zweite, umfassendere Spiegelkabinett, in dem wir uns als „denkende“ Menschen generell bewegen, hat Rudolf Steiner oftmals in seinen Vorträgen thematisiert. Man munkelt, er selber habe über höhere Geschicklichkeiten dieses Sichbewegens verfügt; schon als junger Mensch wandte er sich leidenschaftlich gegen die Rede von „Erkenntnisgrenzen“. Wie dies genau zu verstehen ist, sei dahingestellt; indessen lässt Steiner den Hörer und Leser seiner Vorträge oft in einer solchen Art an dieser Beweglichkeit teilhaben, dass man meint, noch andere Schichten seines Menschseins zu erleben.

In diesem Sinne möchte ich einen Vortrag zur Lektüre empfehlen, in dem Steiner der Irrealität der Spiegelungen andere Realitäten trostreich und beflügelnd zur Seite stellt. Marie Steiner gab dem ersten Druck der gesamten Vortragsreihe (von Steiner selbst nicht durchgesehene Nachschriften der Vorträge in Dornach am 12., 13., 19. und 20. Dezember 1914) den Titel: Wie bekommt man das Sein in die Ideenwelt hinein? Gespiegelte Vorstellungen und schaffende Phantasie. Realität der moralischen Impulse. Heute findet sich diese kleine Vortragsreihe in Band 156 der Gesamtausgabe. Insbesondere der dritte Vortrag (19. Dezember) befasst sich mit der Frage, „wie der Mensch dasjenige, was in der Welt draußen wirklich ist, hereinbekommen kann in sein Wissen, in seine Ideenwelt“. Zu berücksichtigen ist natürlich, dass Steiner hier vor Anthroposophen spricht, in einer für diese verständlichen und gewohnten Sprache. Sie finden den Vortrag (das gesamte GA-Buch) z.B. hier.


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